Frohes Neues! Tết in Vietnam

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Wer will das eigentlich nicht einmal im Leben miterlebt haben: Silvester in Rio, New York, Sydney oder Peking. Moment … Peking? Wer hier am 31.12. auf ein großes Feuerwerk wartet, ist definitiv einen Monat zu früh dran. Die Chinesen (und übrigens auch die Vietnamesen) feiern ihr Neujahrsfest knapp einen Monat lang zwischen dem 21.01. und 21.02. Somit fiel „unser“ Silvester 13/14 eher unspektakulär aus. Ohne Böller und Wunderkerzen, dafür mit Sekt und Bier, verabredeten wir uns im Appartement des Sohnes unseres Gastvaters mitten im Zentrum Pekings. Hier haben wir mit der gesamten Familie Tapas zubereitet und anschließend mit weiteren Freunden verdrückt. Nach 0 Uhr wurde eine Maxi-Sektflasche geköpft und ein schräger chinesisch-russischer Club aufgesucht. In den darauf folgenden Tagen konnten wir überall die Vorbereitungen zu den chinesischen Festtagen beobachten, die wir leider verpassen würden. Umso erfreulicher für uns, dass wir bei der Eröffnungsfeier zu Tết, der vietnamesischen Variante, in Hanoi dabei sein dürfen.

Das große Feuerwerk zum Jahreswechsel soll in der Nacht vom 30. zum 31.01. gezündet werden. Dazu trifft sich halb Hanoi um den See Hồ Gươm in der Altstadt. Wir wurden bereits gewarnt, das die besten Plätze schnell weg sein werden. Also machen wir uns mit ein paar Bier im Gepäck gegen 21 Uhr auf zum See. Der Besitzer unseres Hostels ruft uns noch hinterher, dass wir anschließend zu seiner Party eingeladen sind und zeigt auf einen Tisch voller Bier, Sekt und Süßigkeiten. Genug Gründe, um rechtzeitig zurück zu sein!
Als wir das Hostel verlassen, merken wir schnell, dass etwas anders ist. Die 100 Motorräder, die sich in einer Minute kreuz und quer durch die engen Gassen schieben – sie sind weg. Und auch viele Geschäfte haben heute ihre Rollläden unten gelassen. Wir können einen Sitzplatz direkt am Wasser ergattern und öffnen unser erstes Bier. Um uns herum sammeln sich Pärchen und ganze Familien, die auf Zeitungen sitzend ganze Picknicks veranstalten. Als jemand sieht, dass wir auf einem kalten Stein sitzen, wird fürsorglich eine Zeitung geteilt. Zwei Stunden vor dem Neujahr ist der Platz um den See bereits so voll, dass keine Straßen mehr zu sehen sind. Das Fernsehteam macht sich langsam bereit, das bevorstehende Spektakel aufzunehmen. Blöd nur, dass wir uns ausgerechnet im Aufnahmebereich befinden und verschwinden müssen – jetzt, wo halb Hanoi eingetroffen ist! Ein paar Meter weiter finden wir einen freien Platz vor einer sitzenden Gruppe und wollen das Stativ aufbauen. Keine Chance. Immer mehr Leute schieben sich von hinten Richtung See und dann stehen wir da, wie die Ölsardinen, und warten. Noch eine Stunde. Dann beginnt es endlich. Ein Mann vor uns ist der erste und feuert seine Konfettikanone ab. Dann, wie auf Befehl, beginnt das ca. 20 Minuten andauernde Feuerwerk auf der anderen Seeseite. Fast jeder zückt sein Smartphone und wir stehen inmitten eines Blitzlichtgewitters. Chúc Mừng Năm Mới! Willkommen im Jahr des Holz-Pferdes.
So schnell, wie sich die Straßen gefüllt haben, so schnell verschwinden die Massen wieder. Es ist kurz nach 1 Uhr und uns ist, als würden wir an einer Völkerwanderung teilnehmen. Überall liegt Konfetti oder rotgoldenes Papier und ab und an Rauchschwaden am Straßenrand. Damit das neue Jahr viel Glück und Segen bringt, werden jetzt die aufwendig verzierten Pappgeschenke, die zusammen mit Lebensmitteln, Geld oder Zigaretten auf einem Gabentisch vor dem Haus präsentiert wurden, mit roten Papierballen und Fake-Dollarscheinen verbrannt. Kokeln statt knallern sozusagen. Zurück im Hostel werden wir mit lauter Techno-Musik und vollen Gläsern erwartet. Ein schöner Abschluss.

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Das sollte nicht die einzige Art der Gastfreundschaft bleiben, die wir genießen durften. Am nächsten Tag treffen wir uns früh, um mit dem Bus zur Halong Bay, einer traumhaften Bucht mit unzähligen Felseninseln, zu gelangen. Die größte Insel ist Cát Bà Island – unser zuhause für die nächsten 5 Tage. Die einfachste und billigste Variante, um dort hinzugelangen, ist die Fahrt per öffentlicher Fähre, die an jedem Tag fährt. Auch am Wochenende. Nur nicht an Feiertagen… Jetzt stehen wir am Hafen und uns werden private Überfahrten für das Vielfache des ursprünglichen Preises angeboten, die wir lachend ablehnen. Unsere einzige Möglichkeit: wir schließen uns einer der vielen Gruppen an, die eine 1-3 Tagestour mit dem „Partyboot“ gebucht haben. Wir finden schnell freie Plätze und kaufen ein Ticket für eine Tagestour durch die Bucht. Fünf Stunden später erreichen wir endlich unsere Insel und mit dem Taxi fahren wir vorbei an vereinzelte Dörfer und Berghängen mit teilweise undurchdringlichem Urwald. Hier werden wir sie finden: unsere Ruhe inmitten einer einzigartigen Landschaft.
Die Straßen sind relativ leer und schreien einfach danach, mit dem Motorrad befahren zu werden. Also mieten wir uns für zwei Tage einen Scooter bei Mr. Zoom, unseren freundlichen und überaus hilfsbereiten Hostelbesitzer. Der Flitzer ist super einfach zu bedienen, wir kommen jederzeit zu jedem Ort und es macht einen riesigen Spaß die Landschaft auf diese Weise zu entdecken … oder einfach mal die Straße entlang zu heizen! Benzin finden wir fast überall. Man muss nur auf Plastikflaschen mit leicht grünlicher/gelblicher Färbung achten, die vor fast jedem Haus der Dörfer verkauft werden. Wir denken immer öfter darüber nach, unsere derzeitige Fortbewegungsart zu überarbeiten. Doch bevor wir unser nächstes Reiseziel festlegen, wollen wir noch Mr. Zooms Abschlussfeier von Tết mitnehmen. Die sonst vereinzelt stehenden Tische wurden zu einer kleinen Tafel zusammengeschoben, an der bereits Mr. Zoom, seine Frau und 4 weitere Backpacker sitzen. Im Laufe des Abends kommen immer mehr Familienmitglieder und wir quetschen unsere Plastikstühle aneinander. Dann wird der Hot Pot aufgetischt, ein großer Kessel mit Brühe auf einem Gaskocher. Dazu gibt es Nudeln, haufenweise Gemüse und rohes Fleisch, das von der Frau abwechselnd kurz gekocht und dann serviert wird. Und Christoffer kann einen weiteren Haken in seiner To-Do-Liste machen: er darf einen der einzigen zwei Hühnerfüße knabbern. Zum Runterspülen gibt es Wodka. Der Bruder von Mr. Zoom freundet sich schnell mit Christoffer an und ist sehr bemüht, die Gläser nach jedem Schluck sofort wieder zu füllen. Die Stimmung ist ausgelassen und wir fühlen uns wohl im Kreise dieser vietnamesischen Familie. Probleme mit der Verständigung gab es ausnahmsweise nicht. Wo das Englisch versagt, untermalen wilde, ausdrucksstarke Gesten unsere Geschichten. Wir können sogar einige vietnamesische Worte aufschnappen. Es ist eher ein Trinkspruch. Und je leerer die Wodkaflaschen werden, umso mehr prägt sich dieser ein: „Một, Hai, Ba, YO!“ Als dann noch extra für uns die Karaoke-Maschine angeschmissen wurde (die anderen 4 Backpacker haben sich schnell verdrückt), war der Abend perfekt!

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Mit einem Schädel und überaus dankbar für die Großzügigkeit entscheiden wir uns für eine weitere Nacht. So haben wir einen Tag mehr, um unsere restliche Vietnamroute zu planen. Genaueres wissen wir momentan noch nicht. Nur eines steht fest. Wir fahren zurück nach Hanoi und kaufen zwei Motorräder. Und es sollen keine Stadt-Roller sein, sondern rustikale Honda Win – der Traum eines jeden mobilen Backpackers! Jetzt haben wir noch genau 2,5 Wochen Zeit für eine leicht waghalsige, aber unvergessliche Tour: mit dem Motorrad von Hanoi nach Saigon. Über 1800 km liegen vor uns …

 

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