3.Etappe: Xuân Khánh (QL 1A) – Cửa Lò

[09.Februar | 40km]

Wummernder Bass, etwas, das an Gesang erinnert und ein schneller Elektro-Rhythmus aus den 90ern. Als wir davon geweckt werden, ist es 7:30 Uhr. Bereits gestern Abend haben wir schnell mitbekommen, dass wir direkt neben einer Karaoke-Bar eingecheckt haben. Viel länger hätten wir aber sowieso nicht schlafen können. Ein flaues Gefühl macht sich in unserer Magengegend breit, wenn wir an unsere heutige Tour denken. Um die Straße zu erreichen, die direkt entlang der Küste bis nach Cua Lo verläuft, müssen wir nicht nur die QL 1A überqueren, sondern 10 km auf ihr fahren…

Spätestens als wir mit unseren Motorrädern vor dem Chaos-Highway stehen, wird mir schlecht. Wieder schieben sich Busse und LWKs auf ihr entlang und zwischen ihnen schlängeln sich die Einheimischen nicht selten zu dritt auf ihren Scootern, scheinbar angstfrei. Ich bin es nicht, denn ich weiß, ich darf jetzt auf keinen Fall absaufen, sonst ist Christoffer weg und ich stehe (wieder) mitten auf der Autobahn. Also heißt es tief durchatmen und mit röhrendem Motor schießen wir auf die andere Straßenseite. Geschafft! Jetzt müssen wir nur geradeaus auf dem engen Seitenstreifen fahren, immer den anderen Motorradfahrern hinterher, die eine endlose Schlange bilden.
Kerstin_KüsteNicht lange und wir finden unsere Abfahrt und sofort wird die Straße ruhiger … und schlechter. Langsamer als erhofft kämpfen wir uns durch einen unbefestigten Weg mit haufenweise Furchen und Pfützen. Es ist leicht bewölkt und ein starker Wind fegt uns um die Ohren, als wir die schroffe Küste erreichen. Es scheint Ebbe zu sein. Ein weiter Strandabschnitt liegt vor uns, auf dem vereinzelte Fischer ihre Netze reparieren. Wir fahren jetzt dicht am Meer entlang, rechts von uns nur rotbraune Klippen und grünes Gras. Unser Weg verwandelt sich zusehends in einen rotbraunen Matschpfad, auf dem schon einige Motorräder versunken sein mussten. So, jetzt bloß nicht stecken bleiben! Mit ausgestreckten Beinen rutschen wir langsam vorwärts und weichen wackelig den Fahrern aus, die uns winkend und freudestrahlend entgegenkommen.

Kurz vor Cua Lo verlassen wir die Küste und fahren durch ein Dorf mit schmalen Gassen und noch schmaleren, schlammigen Reisfeldwegen. Zwei Reisbäuerinnen kommen uns lachend entgegen und machen uns klar, dass wir hier auf den Feldern falsch sind. Obwohl eine große Straße zwischen uns und den Reisfeldern zu liegen scheint, weisen sie uns den Weg zurück durch das Dorf. Zu spät. Jetzt haben wir den halben Weg ohne steckenzubleiben oder umzukippen geschafft – da kehren wir bestimmt nicht wieder um! Als wir die Straße endlich erreichen, werden wir von einer Gruppe Jugendlicher eingeholt. Sie haben sich zurechtgemacht – die nächste Karaoke-Bar muss in der Nähe sein. Nicht nur an Wochenenden werden in Vietnam schon nachmittags die Bassboxen aufgedreht. Mädchen auf riesigen High Heels und herausgeputzte Jungs stehen dann direkt davor, laut erzählend, und lachen und rufen uns hinterher, wenn wir mit unseren staubigen, voll beladenen Motorrädern dicht an ihnen vorbeifahren.

Kurz nach dem Ortseingang erreichen wir einen breiten Boulevard, zweispurig und mit Palmen auf dem mittleren Trennstreifen, und er verläuft mehrere Kilometer direkt am Strand entlang. Ja, es sieht ganz so aus, als hätten wir das renommierte Beach Resort erreicht. Aber irgend etwas stimmt an diesem Bild nicht. Alle Strandbars sind geschlossen und der Ort scheint wie ausgestorben, würden uns nicht ab und zu vereinzelte Einheimische auf ihren Motorrädern begegnen. Kalt ist es zwar nicht, aber der Seegang ist stark und es fängt langsam zu regnen an. Dass wir in der Nebensaison auf wenige Touristen treffen würden, war unsere reine Absicht. Aber mit einer Geisterstadt ohne Bademöglichkeit und nur wenigen geöffneten Supermärkten und Restaurants haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Ein Gutes gibt es zumindest: die Zimmerpreise sind gesunken, sodass wir uns ein Sterne-Hotel leisten können, das wir fast für uns allein haben. Hier werden wir uns Zeit für unsere nächsten Routen nehmen können. Christoffers Hintern und meine Hände (verdammt schwere Schalt- und Bremshebel!) werden es uns jedenfalls danken. Und der Regen? Der wird in 2 Tagen auch vorüber sein…

Motorräder_Küste

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